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Stimmen der Opposition

_igp2238Das Unterrichtsfach Geschichte hat bei Schülern oft keinen leichten Stand. Geschichte sei vor allem die Beschäftigung mit langatmigen Texten aus Lehrbüchern, die keinerlei Bezug zur eigenen Lebenswelt hätten, so ihr Urteil. Das Projekt „Stimmen der Opposition“ beweist, dass es auch anders geht. Hier nehmen die Schüler die Dinge selbst in die Hand. Ausgehend von auf diesen Seiten zusammengestellten Unterrichtsmaterialien führen sie selbst ein Interview mit einem Zeitzeugen. Es entsteht ein Bild der DDR-Bürgerrechtsbewegung, gesehen mit den Augen der heutigen Jugendlichen. Die aufgenommenen Zeitzeugeninterviews werden hier veröffentlicht und können im Unterricht eingesetzt werden.

Dr. Matthias Kluge

„Wir sind nicht Rad im Getriebe des Systems“

Matthias Kluge durfte nach dem Abschluss der Polytechnischen Oberschule das Abitur nicht ablegen, weshalb er eine Lehre zum Maschinenbauer machte. Er war weder Mitglied bei den Jungpionieren, noch erhielt er die Jugendweihe. Erst im vereinigten Deutschland holte er auf der Abendschule das Abitur nach und studierte mit anschließender Promotion an der Technischen Universität Chemnitz Politik und Geschichte. 1978 kam er mit der kirchlichen Jugendarbeit in Berührung und engagierte sich seit dem aktiv in Friedenkreisen, etwa im Christlichen Friedensseminar Königswalde. Schließlich verweigerte er den Dienst an der Waffe und war bis 1987 Bausoldat. Deshalb wurde er zu Beginn der 1980er Jahre vom MfS im Operativen Vorgang „Ratte“ observiert.

Im Herbst 1989 engagierte er sich in der Bürgerrechtsbewegung und war Mitbegründer des örtlichen „Neuen Forums“. Seit seiner Promotion zum Thema „Friedensseminar Königswalde“ ist er als freiberuflicher Dozent tätig.

Das Interview führten Schülerinnen und Schüler des Markgräfin-Wilhelmine-Gymnasiums Bayreuth

Dr. Karsten Dümmel

„Irgendwann war mein Misstrauen so groß, dass ich auch Ärzten misstraut habe"

 

Karsten Dümmel absolvierte, nachdem seine Delegierung zur EOS (Gymnasium) zurück gezogen worden war, eine Ausbildung zum Elektromechaniker. Als Leiter verschiedener kirchlicher Arbeitskreise begann das MfS schon frühzeitig mit Zersetzungsmaßnahmen gegen ihn vorzugehen. Obwohl er das Abitur über den zweiten Bildungsweg ablegte, wurde ihm aus politischen Gründen ein Studienplatz verwehrt. Daraufhin stellte Dümmel 1984 einen Ausreiseantrag. Die Konsequenz war eine verordnete Arbeitsplatzbindung als Fensterputzer, Gebäudereiniger und Hilfsarbeiter. Zudem verhängte das MfS eine Reihe weiterer Maßnahmen wie Kontaktaufnahmesperre, Postkontrolle, Reiseverbot und Stadtarrest (teilweise mit Hausarrest) gegen ihn. Die Zersetzungsmaßnahmen des MfS gipfelten in einer „Disziplinierungsmaßnahme“, Dümmel wurde am 18. Juli 1985 für 24 Stunden in Gera in Untersuchungshaft genommen und kam unter Auflagen wieder frei. 1988 erfolge der Freikauf durch die Bundesrepublik. Daraufhin nahm er ein Rhetorik- und Germanistik-Studium in Tübingen auf, 1996 folgte seine Promotion. Zudem leitete er von 1993 bis 2003 verschiedene Forschungsprojekte zur Staatssicherheit und war Lehrbeauftragter an der Universität Tübingen. 1997 folgte der Wechsel in die politische Erwachsenenbildung. Dümmel ist Mitglied des Autorenkreis der Bundesrepublik Deutschland und des internationalen P.E.N. Zentrum deutschsprachiger Autoren im Ausland (Exil - P.E.N.).

Das Gespräch führten Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Westerstede.

Andreas Thieme

„Die Beatle-Mania hat vor den DDR-Wohnstuben nicht halt gemacht“

Andreas Thieme (geb. 1952 in Thalheim) wuchs in einem kirchlich geprägten Elternhaus auf und erhielt keine Zulassung zum Abitur. Als Mitglied einer Rockband schrieb er DDR-kritische Songtexte und Gedichte. Wegen "staatsfeindlicher Hetze" wurde er im Dezember 1972 verhaftet und zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und acht Monaten verurteilt. Im Rahmen des Häftlingsfreikaufs gelangte er im Mai 1975 in die Bundesrepublik.

Das Gespräch führten Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Westerstede.

 

Unterricht

Nutzen Sie die Unterrichtsmaterialien, um Ihre Schüler auf das Interview vorzubereiten.

Interviews

Schülerinnen und Schüler interviewen Zeitzeugen der DDR-Opposition

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